Der Landeselternbeirat von Hessen - Mittwoch, 22. November 2017
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Neue Medien - Chancen für Schulen?!

Ein selbstkritischer Kommentar einer technikfreaken Mutter.

 

In einer spannenden Podiumsdiskussion der Landesschülervertretung (LSV) wurde das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Digitale Medien in Schulen sind wohl nicht mehr wegzudenken, denn für unsere Kinder, die damit "völlig unbekümmert" aufwachsen, sind diese bereits Normalität, während die Schule hinterher hinkt .

 

Woran das liegt, wurde in der Veranstaltung der LSV im Hessischen Landtag diskutiert.

Natürlich sind da als erstes die "faulen, überalterten" Lehrkräfte und die bürokratische, völlig unterfinanzierte Schulverwaltung. 

Die einen wollen und können nicht, die anderen können und wollen nicht, die nächsten wollen und können nicht... die üblichen Verdächtigen, die eben immer dann greifen, wenn was in Schule nicht funktioniert.

 

Was leider vergessen wird, sind wir Eltern.

Auch wir verweigern uns manchmal den digitalen Medien in Schule und Klassenzimmer, obwohl wir etwas anderes vorleben. Sind wir doch mal ehrlich: 

Unseren Einkauf erledigen wir immer häufiger online - im Internet.

Die Rezepte speichern wir auf dem Tablet, das neben dem Backofen liegt.

Während der Partner gerade das Haus und alle möglichen Geräte miteinander und übereinander vernetzt, spielt das Kleinkind auf dem neuen Lerncomputer,

Oma entdeckt die Smilies in Whatsapp, 

Mama schaut die neueste Folge der Lieblingsserie in Youtube und der pubertierende Sohnemann streamt die neuesten Lieder aufs Handy, um sie drahtlos und in voller Lautstärke über die Aktivbox abzuspielen und so die ganze Familie zu unterhalten, ob gewollt oder nicht.

 

Aber Tablets in Schulen? Digitale Lehrbücher, statt vergilbter, veralteter Papierbücher mit Eselsohren?

Für viele Lehrkräfte und Eltern ein "no go". 

Das ist auch nicht zu verteufeln, denn besagte Generation ist ja noch mit Stift, Papier und Telefon mit Wählscheibe aufgewachsen. 

 

Die Vernetzung in Klassenräumen, papierloses Lehrerzimmer, digitale Handschriften, Video-Experimente statt seitenlanger Dokumentation - das ist also Zukunftsmusik?

Nein. Das gibt es bereits. Es ist Alltagsrealität unserer Kinder, aber auch einiger auserwählter Schulen. Das Neue Gymnasium in Rüsselsheim, hat für die SchülerInnen der Oberstufe Tablets angeschafft. Das funktioniert und kommt gut an. Trotzdem gibt es Regeln und interessanterweise ein Handyverbot in Klasse 5.

 

Da sind also einerseits wir Eltern und Lehrkräfte, die zögerlich die neue Technik be"greifen" und andererseits unsere Kinder, die völlig normal damit umgehen, weil sie es nicht anders kennen. 

Es gibt vertauschte Rollen, weil plötzlich die Kinder zum Lehrer werden und ihren Eltern und den Lehrkräften die Technik erklären müssen. 

Auch das muss manchmal erst neu akzeptiert werden. Das eigene Kind als Experte zu begreifen. 

Aber noch wichtiger: Den Erziehungsaspekt dabei nicht verlieren. 

Denn Lehrkräfte, aber ganz besonders Eltern sind gefordert, den pädagogischen Aspekt neuer Medien ihren Kindern zu erklären. Für manche Medienkompetenz muss man nicht mal ein Tablet bedienen können (auch wenn es hilfreich wäre), da reicht ein simpler Urinstinkt: Vernunft!

 

Vernünftig den Kindern erklären, wie empfindlich man mit den eigenen Daten umgehen muss, ihnen erläutern, 

 

  • dass es auch und ganz besonders im Internet böse Menschen gibt, die sich als "supertoller Musterfreund" verkaufen,
  • dass man keine Nacktbilder verschickt,
  • dass alles, was einmal eingestellt wurde, für immer im Internet wiederzufinden ist,
  • dass man andere auch digital weder mobbt, denunziert noch ärgert,
  • dass man auch im Chat freundlich zu sein hat,
  • dass es in Whatsapp und Co auch mal Droh- und Kettenbriefe gibt, die nichts aber gar nichts zu bedeuten haben.. 

Ja, all das sind Dinge, die man den Kindern sagen und erklären muss und zwar immer und immer wieder.

Ja, dafür braucht es Kompetenz aber die ganz normale instinktive Erziehungskompetenz hilft hier schon weiter, ohne das man sich Technik aneignen müsste. 

 

Tablets in Klassenzimmern.. Zukunftsmusik?

 

Nein, eigentlich ist es nur Implementierung bestehender Realität in den Schulen. Die Zukunft sieht sicher ganz anders aus. In 10 - 15 Jahren werden Tablets veraltet sein und neue Technologien genutzt werden (müssen). Vielleicht erübrigt sich der "reale Lehrer" irgendwann und wird durch ein Hologramm ersetzt, wer weiß. Aber schreiben wir alle uns nicht "lebenslanges Lernen" auf die Fahne?

 

Lasst uns damit anfangen!