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Aufgeklärt aber ahnungslos?

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Fit fürs Leben? Ein Test, der Wissen schafft für Jugendliche, Eltern, Lehrer und Erzieher

 

Das Buch wurde mir von Dr. Hilsberg als Rezensionsexemplar zugesandt. Der Titel erregte sofort meine Aufmerksamkeit, da ich mich selbst davon betroffen fühle.

Vorweg möchte ich behaupten, dass ich meine Kinder ordentlich aufgeklärt habe. Nicht nur über Verhütung sondern auch über Risiken und vor allem die Verantwortung, die Sexualität mit sich bringt. Sexualität war und ist bei uns kein Tabuthema. Umso schockierter war ich, als ich erfuhr, dass mein 18jähriger Sohn und seine 17jährige Freundin Eltern werden. Entsprechend gespannt war ich auf das Buch.

Dr. med. Christoph Hilsberg  ist Kinder- und Jugendarzt und vielfach in der Jugendarbeit tätig. Insbesondere die gesundheitliche Aufklärung junger Erwachsener und Jugendlicher liegen ihm am Herzen.


Das Taschenbuch "Aufgeklärt aber ahnungslos?" soll Kindern, Jugendlichen und Eltern eine verständliche Hilfestellung bei der Beantwortung alltäglicher sexualspezifischer Fragen geben.


Bereits die Form des Taschenbuches, aber auch der Aufbau sind erfrischend jugendlich gehalten. Das Taschenbuch umfasst insgesamt 153 Seiten und ist in 73 "Blatt" unterteilt. Die Schrift ist groß gehalten und der Text auf jeder Seite erfreulich kurz. Nicht nur für Jugendliche ein angenehm zu lesendes Buch.

Die Sprache ist ebenfalls auf Jugendliche zugeschnitten. Man darf sich also nicht wundern, wenn Dr. Hilsberg erklärt, dass der nach außen gelangende Samen "abgespritzt" wird. Die Begriffe wie "Erektion" werden in der Sprache der Jugend als "Steifer, bzw. Morgenlatte" erklärt. Aber auch ergänzende Worterläuterungen finden ihren Platz, z. B. dass der Begriff "Onanieren" aus der Bibel stammt - im 1. Buch Mose ist von einem Mann namens "Onan" die Rede, der seinen Samen auf den Boden verspritzt.

 

Dr. Hilsberg beschreibt in seinem Buch alle Probleme, die während der Pubertät auftreten können. Körperliche, geistige, seelische, soziale und sexuelle Funktionen beeinflussen sich gegenseitig und gehören zum Erwachsenwerden dazu. Auf alle Bereiche geht er ein und beschreibt was mit dem Körper passiert und worauf man als Mädchen oder Junge achten sollte.


Spannend und überaus lobenswert finde ich persönlich, dass Dr. Hilsberg auch nicht Halt macht, die Kirche in ihre Verantwortung zu weisen. Gerade die katholische Kirche, die ihre spezielle Ansicht zur Homosexualität hat wird ermahnt, die Botschaft der Liebe nicht zu begrenzen. Auch bei Homosexualität lautet der Auftrag der Bibel, Christen sollen helfen, aber nie jemanden diffamieren! Diese Forderung unterstütze ich gerne. In dieser Hinsicht hoffe ich, dass viele Jugendliche diese Botschaft lesen und sich entsprechend Rat oder Hilfe suchen. Homosexualität ist keine Krankheit und auch kein Gendefekt!

 

Neben dieser Episode sind mir beim Lesen einige "Aha-Erlebnisse" ins Auge gefallen. Beispielsweise die Erläuterung, dass es endlich auch "Männerärzte" (Andrologen) gibt. Als Mutter zweier Söhne fordere ich schon lange ein Pendant zum Gynäkologen. Irgendwie ist mir allerdings nicht bewusst gewesen, dass dieser Berufszweig - wenn auch nur als interdisziplinäres Fachgebiet - (meist Zusatzsausbildung eines Urologen) nun tatsächlich existiert. Hier wäre vielleicht noch etwas mehr Öffentlichkeitsarbeit notwendig.

 

Sehr interessant fand ich auch die Studien bzw. statistischen Werte, die Dr. Hilsberg beschreibt. Über 15 Prozent der jungen Männer und Frauen sind unfruchtbar. Tendenz steigend. Nur 30 Prozent der Menschen sind rein heterosexuell und 80 Prozent (!) des Gebärmutterkrebses bei Frauen wird durch Unsauberkeit der Männer verursacht. Bei der letzten Angabe konnte ich allerdings keine Quellenangabe finden. Das finde ich etwas schade und ist der einzige Mangelpunkt den ich hier anbringen kann. Zumindest als Anhang hätte ich mir mehr Details zu den Werten bzw. Studien gewünscht.

 

Aber ansonsten stelle ich nach der Lektüre fest, dass auch ich zwar aufgeklärt - aber in vielen Dingen ahnungslos war. Wie mein Sohn, der über sämtliche Verhütungsmethoden und Verantwortungsbereich aufgeklärt ist, aber eben ahnungslos in die Vaterrolle schlüpfen muss.
Pubertät ist eben eine HHH-Großbaustelle (Herz, Hirn und Hormone), die hin und wieder wegen Umbaumaßnahmen vorübergehend geschlossen ist.

Ich empfehle das Buch uneingeschränkt!

Ein ergänzender Hinweis: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat eine Studie veröffentlicht, wonach jedes Jahr durchschnittlich 14.000 Teenager schwanger werden (bzga.de, Teenager-Schwangerschaften in Deutschland - eine Stellungnahme der BZGa).

 

Rezension: T. Pfenning

 

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