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Rezension - Wo fahren wir hin, Papa

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>>Wenn man über behinderte Kinder spricht, macht man meist ein betretenes Gesicht. Wenigstens dieses eine Mal möchte ich versuchen, mit einem Lächeln über euch zu reden. Ihr habt mich zum Lachen gebracht – nicht immer unabsichtlich.<<

 

Jean Louis Fournier schreibt in einer anderen Art über das Thema Behinderung seiner zweier Söhne. Humorvoll sagen die einen, zynisch und sarkastisch die anderen.

Zunächst ist das Buch recht schnell und leicht zu lesen. Die Seiten sind meist nur zur Hälfte bedruckt, was für mich Leseratte eher ungewöhnlich ist. Aber das ist das Buch meines Erachtens ohnehin.
Beim Lesen der Geschichte bin ich hin und her gerissen. Fournier schreibt in einer sehr offenen Form wie er unter der Behinderung seiner Söhne leidet. Ihm fehlt die Anerkennung der Gesellschaft, die Eltern mit „normalen“ Kinder haben.
Stellenweise machte mich das Buch betroffen. An manchen Stellen hätte man ihm sagen mögen: Wach auf, auch deine Kinder verdienen es anerkannt zu werden! Dafür gibt es andere Stellen, da muss man einfach lachen.

 

Ein bisschen fehlt mir jedoch der familäre Hintergrund. Was fühlt die Mutter der Kinder, wenn er solche Gedanken äußert? Was wurde aus der Tochter und wie stand sie zu ihren Brüdern?

Egal wie man zu dem Thema steht. Das Buch lädt uns ein, unseren Blickwinkel zu öffnen. Muss man Behinderte wirklich immer als Außenseiter betrachten? Sich von ihnen distanzieren? Sie segrieren?
Warum nicht mal die Seiten wechseln und versuchen sie anzusprechen, sie mitzunehmen und sie in die Gesellschaft integrieren?
Wenn uns das gelingt, dann kann man Neil Armstrong zitieren: „Ein großer Schritt für die Menschheit.“ Denn auch Nicht-Behinderte profitieren von den neuen Erfahrungen.

 

„Wo fahren wir hin, Papa?“ – von Jean Louis Fournier wurde 2008 zum Nr. 1-Bestseller in Frankreich. Es erhielt den renommierten Prix Femina Preis und wurde für den Prix Goncourt nominiert.

Rezension: T.Pfenning


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